Erythropoietic Protoporphyria (EPP)

1. Was ist eine Erythropoetische Protoporphyrie?

Die erythropoetische Protoporphyrie (EPP) ist eine seltene angeborene Porphyrie, die in den frühen 60-er Jahren entdeckt wurde und etwa eine Person von 150.000 Einwohnern in Westeuropa betrifft. Bei erythropoetischer Protoporphyrie wird ein besonderes Porphyrin, das so genannte Proto-porphyrin, angehäuft, das im Überschuss im Knochenmark entsteht. Protoporphyrin akkumuliert im Körper, besonders in den roten Blutzellen, in der Leber und in der Haut, die eine Licht-empfindlichkeit entwickelt.

2. Wie entsteht eine Erythropoetische Protoporphyrie?

Bei erythropoetischer Protoporphyrie besteht gewöhnlich ein Mangel eines Enzyms (ein Eiweiß, welches hilft, eine chemische Substanz in eine andere umzuwandeln), die so genannte Ferrochelatase (FECH), die Eisen zum Protoporphyrin hinzufügt, um Haem zu bilden. Als Resultat dieses Enzymmangels steigt der Protoporphyrinspiegel im Blut. Indem Blut durch die Haut fließt, kann Protoporphyrin die Energie des Sonnenlichts aufnehmen und es beginnt eine chemische Reaktion, die zu leichten Schäden des angrenzenden Gewebes führt. Die Nervenenden in der Haut signalisieren dies als Juckreiz oder brennenden Schmerz und bei Beteiligung von Blutgefäßen können diese etwas durchlässiger sein und dadurch eine Schwellung verursachen. Das Licht, welches vom Protoporphyrin aufgenommen wird, ist anders als das, welches normalen Sonnenbrand hervor ruft.
Sonnenbrand wird eher durch kurzwelliges (UVB-) Licht hervorgerufen, währenddessen die Haut bei der EPP mehr für das langwellige (UVA-) Licht und sichtbare Licht empfindlich ist. Die Wellenlängen des Lichtes, welche eine EPP hervorrufen, können entgegen denen des Sonnenbrandes, durch Glasfenster hindurch dringen.

3. Wie wird EPP vererbt?

Jeder hat zwei Gene für die Ferrochelatase in jeder Körperzelle (1 vererbt von der Mutter und 1 vom Vater). In mehr als 90 % der Familien kommt die EPP bei den Betroffenen dadurch zustande, dass ein Gen mit sehr stark verminderter Aktivität des Enzyms Ferrochelatase von dem einen Elternteil und ein Gen mit eher weniger stark verminderter Enzymaktivität von dem anderen Elternteil vererbt wird. Das weniger stark betroffene Gen (so genanntes „schwaches FECH-Gen“) ist in Nordeuropa ziemlich weit verbreitet und kommt bei etwa 10 % der Bevölkerung vor. Das schwache Gen an sich verursacht in der Regel jedoch noch keine EPP, selbst wenn es in beiden Genkopien vorkommt. Das erklärt, warum die EPP selten mehr als 1 Mitglied der Familie betrifft.

4. Werden meine Kinder eine EPP bekommen?

Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, sollten Genetiker oder spezielle Porphyrie-Zentren befragt und beide Elternteile möglicherweise genetisch getestet werden. Bei den meisten Menschen mit EPP hängt das Risiko für ihr Kind davon ab, ob der Partner ein solches schwaches FECH-Gen (siehe Absatz 3) trägt. 9 von 10 Partnern tragen dieses so genannte schwache Gen nicht und für solche Paare ist das Risiko, ein Kind mit EPP zu haben, sehr gering, weniger als 1:100. Trägt der Partner das schwache Gen steigt das Risiko beträchtlich auf 1:4. In etwa 5 % der Familien ist die Vererbung komplizierter, aber dieses kann über genetische Tests erkannt werden.

5. Welche Symptome treten bei EPP auf?

Die Exposition der Haut mit Sonnenlicht ruft ein Prickeln, Jucken und Brennen hervor und kann darüber hinaus von Rötung und Schwellung begleitet sein. Dies beginnt gewöhnlich innerhalb von wenigen Minuten nach Exposition mit direktem Sonnenlicht. Oftmals kann es Stunden bis Tage dauern, bis diese Erscheinungen wieder komplett verschwinden und während dieser Zeit kann die Haut vermehrt empfindlich gegenüber erhöhten Temperaturen sein. Das Licht muss nicht direkt einstrahlen - von Wasser, Schnee und Sand reflektiertes oder durch Glasfenster einstrahlendes Licht einschließlich der Windschutzscheibe des Autos kann ebenso Symptome herbeiführen. Die EPP beginnt für gewöhnlich in der Kindheit und betrifft Männer und Frauen gleichermaßen. Kleinkinder können weinen oder schreien, nachdem sie in das Sonnenlicht kommen und ältere Kinder beklagen Brennen, versuchen die Hände in der Luft zu kühlen oder sie in kaltes Wasser zu führen, um den Schmerz zu mindern.
Einige Personen mit EPP können einen Leberschaden bekommen. Glücklicherweise geschieht dies eher selten.

6. Wie sieht eine EPP aus?

Trotz der starken Beschwerden sind möglicherweise keine sichtbaren Hautveränderungen erkennbar, wenngleich die Haut bisweilen etwas gerötet und geschwollen sein kann. Mit der Zeit und wiederholter Sonnenlichtexposition entwickeln einige Menschen eine Hautverdickung über den Knöcheln und zarte Narben auf den Wangen, der Nase und den Handrücken. Was die Hautveränderungen anbelangt, findet man unter den Betroffenen eine sehr große Vielfalt.

7. Wie wird die EPP diagnostiziert?

Die Diagnose wird für gewöhnlich anhand der beschriebenen Beschwerden vom Arzt vermutet und kann über Bluttests bestätigt werden. Im Blut wird die Protoporphyrinkonzentration gemessen. Einige Ärzte testen darüber hinaus Stuhlproben, um Protoporphyrin zu analysieren. Urintests haben für diese Erkrankung keine Bedeutung, ausgenommen zum Ausschluss anderer Porphyrien.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass Leberstörungen als Komplikation der EPP auftreten, kann Ihr Arzt in jährlichem Abstand die Leberfunktion testen und eine Sonographie der Leber veranlassen. Sollte dabei eine Leberfunktionsstörung entdeckt werden, verordnet der Arzt weitere Behandlungen, die das Ziel haben, die Leberschädigung aufzuhalten bzw. rückzubilden.

Ihr Arzt kann außerdem den Hämoglobinspiegel messen, da bei EPP häufig eine leichtgradige Anämie vorhanden ist (niedriges Hämoglobin in Verbindung mit niedrigem Serumeisen). Dies muss normalerweise nicht mit einer oralen Eisensubstitution behandelt werden, da Eisen in der Regel nicht zur Korrektur dieser Veränderung führt. Eine Eisentherapie ist für gewöhnlich nur erforderlich, wenn tatsächlich eine Eisendefizienz aus anderen Gründen vorliegt.

8. Gibt es eine Heilung für EPP?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die EPP nicht heilbar.

9. Wie kann die EPP behandelt werden?

Das Ziel der meisten Behandlungen besteht darin, der Haut extra Schutz vor dem Sonnenlicht zu geben, so dass sich eine bessere Toleranz gegenüber der Sonne entwickelt.

Die medikamentöse Therapie der EPP umfasst:

  • Beta-Karotin – abgeleitet von chemischen Substanzen, die Karotten orange färben, einige Menschen mit EPP empfinden die Aufnahme von Beta-Karotin hilfreich. Die Kapseln können vom Arzt verschrieben und oral aufgenommen werden, sie verleihen der Haut für gewöhnlich eine leichte orange Färbung. Diese Medikation ist unbedenklich, gelegentlich kann jedoch Erbrechen auftreten.
  • Antihistaminika – diese sind als Tabletten oder Sirup verfügbar und anwendbar bei den wenigen Patienten, die mit Hautschwellungen als Hauptproblem reagieren.
  • Phototherapie – Schmalband-UVB- und PUVA-Therapie sind Therapieformen mit ultraviolettem Licht, die in der Dermatologie Anwendung finden. Dies beinhaltet eine vorsichtige Exposition mit künstlichem UV-Licht, für gewöhnlich dreimal pro Woche für etwa 5 Wochen im Frühling, um die Haut etwas dicker werden zu lassen und um einen Teint hervorzurufen. So entsteht ein natürlicher Sonnenschutz und dies kann die Sonnenlichttoleranz verbessern.
  • Treatments being developed and assessed include the use of L-acetyl cysteine, MSH (melanotan), and dihydroxyacetone paint.
  • Weitere Behandlungen werden entwickelt und geprüft, wie zum Beispiel die Anwendung von L-Acetylcystein, MSH (Melatonin) und Dihydroxyaceton

Ein Arztbesuch sollte mindestens einmal pro Jahr stattfinden und dabei sollte eine Blutentnahme im Hinblick auf die Entwicklung einer Leberschädigung durch Protoporphyrin durchgeführt werden. Auch wenn diesen selten ist, kommt sie trotzdem vor und es ist außerordentlich wichtig, diese so früh wie möglich zu erkennen.

10. Was kann man tun?

Unnötige Exposition mit Sonnenlicht sollte vermieden werden. Darüber hinaus ist es hilfreich, schützende Kleidung zu tragen und spezielle Sonnenschutzcremes zu verwenden.

  • Kleidung – einfache Maßnahmen wie die Verwendung von fein gewebtem Stoff, lange Ärmel, Tragen eines Hutes mit breiter Krempe bzw. Schirm, besser geschlossene Schuhe als Sandalen und Handschuhe, besonders beim Fahren.
  • Sonnenschutzcremes - da bei EPP eine Empfindlichkeit hauptsächlich gegenüber sichtbarem Licht besteht, sind herkömmliche Sonnenschutzcremes, die gegen UV-Strahlung (besonders UVB) schützen für gewöhnlich nicht effektiv. Reflektierender Sonnenschutz auf der Basis von Titaniumdioxid oder Zinkoxid schützen sowohl gegen UVA, UVB und sichtbares Licht und sind deshalb effizienter.
    Beispiele von reflektierenden Sonnencremes, die verfügbar sind:

- Ambre Solaire® lotion SPF 60

- RoC total Sunblock® lotion SPF 25

- Delph® lotion SPF25

- Sunsense® Ultra SPF 60

- Delph® lotion SPF 30

- Uvistat® cream SPF 22

- E45 Sun® lotion SPF25

- Ultrablock® cream SPF30

- E45 Sun® lotion SPF50

 

 

11. Können bestimmte Medikamente die EPP verschlechtern?

Die EPP ist eine erythropoetische Porphyrie, die von den akuten hepatischen Porphyrien, die sich durch bestimmte Medikamente verschlechtern, abzugrenzen ist. Die EPP verschlechtert sich nicht durch Medikamente. Deshalb gibt es für Patienten mit EPP keine Einschränkung im Hinblick auf die Einnahme von Medikamenten, die für ihre Gesundheit erforderlich sind, ausgenommen der Patient besitzt aus anderen Gründen eine Medikamentenallergie.

12. Woher kann ich mehr Informationen über EPP bekommen?

Da die EPP selten ist, haben die meisten Hausärzte wenig Erfahrung mit dieser Erkrankung. Hautärzte sehen die meisten Personen mit EPP; im Falle, dass sie wenig persönliche Erfahrung mit dem Krankheitsbild haben, ist eine Überweisung zu einem Kollegen mit besonderer Fachkenntnis oder in ein spezialisiertes Porphyrie-Zentrum zur weiteren Untersuchung und Besprechung des Krankheitsfalles erforderlich.
( note : sur la version anglaise, il y a ce lien = a porphyria specialist centre for investigations and discussion)
Der Inhalt dieser Webseite basiert auf einem Konsens, der mit EPNET-Partnern vereinbart wurde. Obwohl es viele andere Informationsquellen gibt, die meisten verfügbar über das Internet, sind diese nicht durch Porphyrie-Spezialisten validiert. Ein Großteil der Quellen gibt Auskunft über alle Formen von Porphyrien und es sind nur wenige, die speziell über EPP informieren.

13. Spezielle Organisationen für EPP

Erythropoietic Protoporphyria Research and Education Fund (EPPREF)
www.brighamandwomens.org/eppref

Netherlands EPP Foundation
www.epp.info

14. Organisationen für alle Porphyrie-Formen

Angegebene Internetquellen über alle Formen der Porphyrie

 
Date of last update: September 2008